Produkte

Eine Frage der richtigen Einstellung: So hat dein Kind sein MTB perfekt im Griff

Sarah Schwarz
Sarah Schwarz

Das neue Mountainbike ist da und frisch zusammengebaut. Dein Kind kann es kaum erwarten, aufzuspringen und loszutreten – absolut verständlich! Doch ist der Sattel zu hoch, sind die Bremshebel zu weit weg oder die Reifen zu hart, wird das coolste MTB schnell zur Spaßbremse.

Darum gilt: Ganz gleich, ob es sich um die Jungfernfahrt oder die erste Fahrt nach der Winterpause handelt, passe alle Komponenten des Mountainbikes an den individuellen Körperbau deines Kindes an. Auch ein starker Wachstumsschub kann eine nochmalige Anpassung während der Bikesaison erforderlich machen. Denn nur ein perfekt eingestelltes Rad sorgt für volle Kontrolle und ein sicheres Gefühl beim Biken.
Welche Komponenten wichtig sind und an welchen Rädchen du drehen musst, erfährst du in diesem kleinen Bikefitting-Ratgeber. Zunächst schauen wir uns die Cockpit-Einstellungen an:

Bremshebel

Alles im Griff? Das richtige Setup der beiden Bremshebel ist ganz wichtig, damit dein Kind ermüdungsfrei bremsen kann und in jeder Situation schnell zum Stillstand kommt. Hier geht es um die Sicherheit deines Kindes. Stelle daher sicher, dass dein Kind beide Bremshebel gut erreichen kann, ohne die Hände vom Lenker nehmen zu müssen. 

Tipp:

Übrigens, ein gutes Mountainbike sollte mit hochwertigen Scheibenbremsen ausgestattet sein, so wie bei unserem woom OFF. Gerade für Kinder sind Scheibenbremsen ideal, weil sie gut dosierbar sind und mit wenig Handkraft viel Bremsleistung bieten – dafür reichen nur ein bis zwei Finger.


Die Griffweite, sprich die Entfernung der Bremshebels zum Lenker, kannst du ganz einfach mithilfe der Einstellschraube, die in die Bremshebel eintaucht, justieren.

  • Drehst du die Schraube weiter rein, bewegt sich der Bremshebel näher zum Lenkergriff.
  • Drehst du die Schraube raus, vergrößert sich die Distanz zum Lenker.

Die ideale Einstellung erkennst du so: Wenn dein Kind den Bremshebel zieht, sollte dieser bei Erreichen des Druckpunkts fast parallel zum Lenker stehen. Der Bremshebel darf auch bei starker Betätigung auf keinen Fall den Lenkergriff berühren.

Neben der Griffweite lässt sich auch die Neigung der Bremsgriffe anpassen. Dazu brauchst du nur die Befestigungsschraube ein wenig zu lösen (nicht komplett herausdrehen). Die Hebel sind perfekt positioniert, wenn die Handgelenke deines Kindes nicht abgewinkelt sind und die Finger in direkter Verlängerung der Arme eine gerade Linie bilden. So bleibt das Handgelenk in einer natürlichen Position und die Hände schlafen nicht ein.

Schalthebel

Auch den Schalthebel sollte dein Kind gut erreichen und bedienen können, ohne den Daumen verrenken zu müssen. Ist das nicht der Fall, löse die Schraube der Schalthebel-Befestigung und verschiebe den Hebel horizontal entlang des Lenkers in die optimale Position. Und festschrauben nicht vergessen!

Lenker und Vorbau

Der Lenker ist ein wichtiger Kontaktpunkt zwischen Kind und Bike: Einerseits stützt dein Kind einen Teil seines Körpergewichts auf dem Lenker ab und andererseits überträgt der Lenker die Lenkbewegung auf das Vorderrad. Sowohl die Lenkerform als auch die Position haben einen großen Einfluss auf die Körperhaltung und somit das Fahrgefühl und Handling.
In den letzten Jahren geht die Tendenz hin zu breiten Lenkern mit kurzem Vorbau. Das sorgt gerade im technischen Gelände für mehr Sicherheit und Kontrolle. Bevor wir zur richtigen Einstellung kommen, hier ein kleines MTB-Lenker-Einmaleins: 

  • Riser: Aufgrund der geschwungenen Form sind beim Riser-Lenker die Lenkerenden im Verhältnis zum Vorbau erhöht. Die Hände deines Kindes liegen also etwas höher auf, wodurch die Sitzposition aufrechter ist. Das sorgt für eine gute Kontrolle und mehr Komfort auf steileren Strecken.
  • Flatbar: Im Gegensatz zum Riser-Lenker hat der Flatbar eine gerade Form, wodurch die Front und das Cockpit tiefgehalten werden. Das sorgt für einen sehr guten Grip auf flachen Trails.
  • Backsweep: Die Rückbiegung des Lenkers zum Fahrer hin verkürzt die Sitzlänge. Das ermöglicht deinem Kind eine entspanntere und ergonomische Sitzposition.

Wie findest du nun die richtige Lenker- und Sitzposition (Ausrichtung und Höhe)? 

Zunächst sollte dein Kind den Lenker mit leicht abgewinkelten Armen erreichen können. Im Idealfalls sollte der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt sein (45 Grad) und die Oberarme in einem Winkel von 90 bis 100 Grad stehen. 
Möchtest du die Lenkerhöhe verändern, ist das entscheidende Bauteil der Vorbau. Die meisten Vorbauten lassen sich auf zwei Weisen montieren: entweder nach oben oder nach unten ausgerichtet. Auch unsere beiden Mountainbike, das woom OFF und das woom OFF AIR, bieten dieses sogenannte Flip-Flop-Feature und damit eine individuelle Anpassung an dein Kind.

Zudem kannst du über den Vorbau die Neigung des Lenkers verändern. Dazu löst du die Klemmschrauben am Vorbau etwas (nicht herausdrehen) und drehst den Lenker wenige Grade um die eigene Achse. In der finalen Einstellung sollten die Finger, wie oben bei den Bremshebeln beschrieben, eine gerade Linie mit den Unterarmen bilden. Um die optimale Haltung am Bike einnehmen zu können, müsst ihr aber noch eine weitere wichtige Schnittstelle zwischen Kind und Bike anpassen: 

Sattel

Eine angenehme Sitzposition ist maßgeblich für das Feeling am Bike und eine sichere Fahrt. So bestimmst du die richtige Sitzhöhe: 

  • Niedrigerer Sitz: Auf dem Sattel sitzend sollte dein Kind den Boden mit den Füßen bzw. Zehen bequem erreichen können, ohne seine Sitzposition am Bike verändern zu müssen. So kann dein Kind auch bei einem unerwarteten Hindernis schnell mit beiden Füßen den Bodenkontakt herstellen. Das vermittelt deinem Kind ein sicheres Gefühl und ist gerade für Bike-Neulinge die richtige Wahl.
  • Hoher Sitz: Ist dein Kind schon sportlicher unterwegs, kannst du im Flachen und bergauf die Fortgeschrittenen-Variante einstellen. Dazu sitzt dein Kind aufrecht im Sattel (du haltest dabei das Bike fest) und positioniert die Füße auf den Pedalen (Fußballen auf der Pedalachse!). Stelle den Sattel nun so hoch, dass das Bein bei tiefster Kurbelstellung noch leicht gebeugt ist. In dieser Einstellung werden die Knie entlastet und dein Kind bringt ordentlich Druck auf die Pedale.
Tipp:

Vor technischen Abfahrten Sattel absenken! Denn bei längeren Bergab-Strecken befindet sich dein Kind in der Abfahrtsposition, also im Stehen. Ein niedrig eingestellter Sattel gibt deinem Kind mehr Bewegungsfreiheit und damit Sicherheit auf dem Bike.


Dein Kind sitzt noch nicht gut? Dann kannst du noch diese beiden Einstellungen genauer ins Visier nehmen: 

  • Nachsitz: Der Sattel lässt sich horizontal entlang von Schienen verschieben, wodurch sich der Abstand zum Lenker verändert. Positionierst du den Sattel weiter hinten, sitzt dein Kind gestreckter und sportlicher auf dem Bike. Diese Einstellung ist ideal auf längeren Ausfahrten sowie bergauf. Aber Achtung: Ist der Sattel zu weit hinten, wird die Kraftübertragung auf die Pedale geschwächt. Der Sattel sollte aber auch nicht zu weit vorne sein, um die Knie nicht unnötig zu belasten.
    Die optimale Einstellung ermittelst du mit einem Lot: Positioniere den Sattel so, dass bei waagrechter Kurbelstellung das Lot von der Kniescheibe ausgehend senkrecht durch die Pedalachse fällt.
  • Neigung: Der Sattel sollte möglichst waagrecht justiert sein, um den Druck gleichmäßig zu verteilen. Auch hier gilt: Einfach ausprobieren, welche Position sich angenehm für dein Kind anfühlt.


Und bitte nicht vergessen: Nach dem Fine-Tuning alle Schrauben wieder gut festziehen! 


Reifendruck

Generell bieten MTB-Reifen den großen Vorteil, dass sie mit niedrigerem Luftdruck gefahren werden können – so werden nicht nur Unebenheiten besser gedämpft, sondern auch der Grip verbessert, was wiederum für mehr Fahrsicherheit sorgt, speziell beim Kurvenfahren. 

Der minimale und maximale Luftdruck ist an den Flanken am Mantel angegeben. Beachte: Der richtige Reifendruck ist kein absoluter Wert, sondern abhängig vom individuellen Körpergewicht und Einsatzbereich. Für hohen Grip und gute Dämpfung empfehlen wir, dass der Reifen leicht – etwa 15 % seiner Höhe – einsinkt, wenn dein Kind auf dem Fahrrad sitzt. 

Wie ermittelst du den passenden Druck für die Tour? Beginne zunächst mit einem höheren Wert und lasse dein Kind eine Testrunde mit Kurven und Unebenheiten drehen. Runde für Runde reduzierst du den Reifendruck ein wenig. Dein Kind soll sich darauf konzentrieren, wie sich Grip und Fahrverhalten des Bikes in Kurven und auf Hindernissen verändern. Bei einem zu niedrigen Luftdruck können sich die Reifen in Kurven und bei hohem Tempo schwammig und instabil anfühlen. Wenn dein Kind die Schläge vom Untergrund auf der Felge spürt, dann ist das ein klares Zeichen für zu wenig Luft. 


Mit diesem Fine-Tuning hat sein Kind sein Bike bestens im Griff und dem Bike-Spaß steht nichts mehr im Weg!