Mit Kind und Rad im Straßenverkehr – Vorbereitung bringt Sicherheit
Das Fahrrad wird zum Verkehrsmittel – gute Vorbereitung ist wichtig, damit ihr gemeinsam sicher unterwegs seid.

Spielst du mit dem Gedanken, eure Fahrräder im Familienalltag zu nutzen? Vielleicht das erste Mal gemeinsam mit deinem Kind zur Schule zu radeln? Dann bist du hier richtig!
In diesem kleinen Ratgeber erfährst du,
- wie du dein Kind und sein Fahrrad auf eine sichere Fahrt im Straßenverkehr vorbereitest,
- mit welchen Gefahrenstellen du dein Kind vertraut machen solltest und
- wie dein Kind den Straßenverkehr auf dem Fahrrad wahrnimmt.
1. Kontrolliere wichtige Bauteile und passe das Fahrrad an dein Kind an
Stelle sicher, dass Sattel und Lenker so eingestellt sind, dass dein Kind den Boden mit den Füßen und die Lenkergriffe sowie Bremsen mit den Händen gut erreicht.
Damit das Kinderfahrrad immer fahrtüchtig ist, empfehlen wir einen Sicherheitscheck vor der Fahrt, insbesondere wenn ihr selten mit dem Fahrrad unterwegs seid:
- Sind alle Schrauben und Schnellspanner festgezogen?
- Funktionieren Bremsen und Beleuchtung?
- Haben die Reifen genug Luft?
Welche Teile du sonst noch regelmäßig auf den Prüfstand nehmen solltest, erfährst du in unserem >> Beitrag zum Radcheck (inklusive Schritt-für-Schritt-Videoanleitung).
2. Achte auf eine verkehrssichere Ausrüstung
Lass dein Kind niemals ohne Fahrradhelm mit dem Rad fahren. Kontrolliere vor der Fahrt, ob der Helm sicher und bequem auf dem Kopf deines Kindes sitzt.
In manchen Ländern besteht zudem eine Helmpflicht, in Österreich etwa müssen Kinder bis zum 12. Lebensjahr einen Radhelm tragen.
Kinder haben eine geringere Körpergröße und sitzen tiefer, darum solltest du dein Kind so sichtbar wie möglich machen, beispielsweise durch helle Kleidung in Signalfarben.
Nachts sind neben der vorgeschriebenen Beleuchtung am Rad auch Sicherheitsreflektoren an Helm und Kleidung sinnvoll.
Auch eine Klingel ist in vielen Ländern Pflicht und hilft deinem Kind, auf sich aufmerksam zu machen.
Wirf einen Blick in die Straßenverkehrsordnung deines Landes. Dort steht, wie du euer Fahrrad verkehrssicher ausstattest, ab wann und unter welchen Voraussetzungen dein Kind alleine auf der Straße fahren darf und vieles mehr.
Falls du auf der Suche nach der passenden Ausstattung für eure Fahrt im Straßenverkehr bist, wirf gern einen Blick in unseren Zubehör-Shop.
Für eine möglichst entspannte und sichere Fahrt solltest du deinem Kind wichtige Verkehrsregeln und Verkehrszeichen vorab erklären oder noch besser das richtige Verhalten üben.
- Wichtige Verkehrszeichen
Verkehrszeichen wie das Stopp- und Vorfahrtsschild sind einfach zu erklären und sollte dein Kind jedenfalls kennen und verstehen. - Zebrastreifen
Fußgänger*innen haben hier Vorrang, daher gilt: rechtzeitig Tempo reduzieren und gegebenenfalls stehen bleiben, um sie queren zu lassen. - Ausweichen
Dein Kind sollte Hindernissen, wie Baustellen oder parkenden Autos, selbstständig ausweichen können.
Hierbei ist es wichtig, auf Gegenverkehr zu achten und ausreichend seitlichen Sicherheitsabstand einzuhalten. - Überholen
Auf gemeinsamen Fuß- und Radwegen sollte dein Kind ausreichend Abstand zu Fußgänger*innen und langsam fahrenden Radfahrer*innen halten und diese gegebenenfalls überholen bzw. ihnen ausweichen.
Nach der Theorie kommt die Praxis. Damit dein Kind die Verhaltensregeln verinnerlicht, sind spielerische Fahrübungen sinnvoll. Diese machen nicht nur Spaß, sondern dein Kind (und dich) auch sicherer im Straßenverkehr.
- Punktgenaues Bremsen: Markiere dazu eine Stelle am Boden, an der dein Kind zum Stillstand kommen muss.
- Kontrollierender Pendelblick zu beiden Seiten: Dein Kind bleibt vor jeder Kreuzung stehen und ruft: „Ich schaue nach rechts und nach links!“
- Schulterblick: Dein Kind fährt an dir vorbei und du hebst einen Gegenstand hoch. Nun blickt dein Kind über seine Schulter zurück und versucht diesen zu erkennen und dir zuzurufen.
- Finde den Fehler: Schlüpfe in die Rolle deines Kindes und lasse dich beim Fahren von deinem Kind beobachten. Baue bewusst ein paar Fehler ein, auf die dich dein Kind hinweisen muss.
Denke an deine Vorbildfunktion und lebe die richtigen Verhaltensregeln vor. Gerade in neuen Situationen ist es für Kinder wichtig, ein Vorbild zu haben, von dem sie das richtige Verhalten abschauen und nachahmen können.
Dein Kind sollte diese Fahrtechniken möglichst oft wiederholen, bis das richtige Verhalten automatisiert ist.
Wähle für die Radfahrübungen eine sichere Umgebung fernab von Straßenverkehr und anderen Stressfaktoren, wo ihr ausreichend Platz für kleine Spiele und Parcours habt. Ideal sind ein Innenhof, ein Park oder eine Spielstraße.
Dein Kind hat richtig viel Spaß an Fahrtechnikübungen? Dann haben wir >>in diesem Beitrag noch mehr lustige Geschicklichkeitsspiele samt Video für euer Sicherheitstraining.
Das hängt in erster Linie davon ab, wo ihr unterwegs seid und ob es sich um eine bekannte oder neue Route handelt.
- Ausgewiesene Radwege, die breit genug sind, eignen sich perfekt, um neben deinem Kind zu fahren. Doch nicht überall ist Nebeneinanderfahren erlaubt – bitte beachte daher die gesetzlichen Bestimmungen in dem Land, in dem du mit deinem Kind unterwegs bist.
- Wenn du mit einer zweiten Begleitperson unterwegs bist, fährt dein Kind in der Mitte, also zwischen dir und der anderen Begleitperson. So kann sich dein Kind an der vorausfahrenden Person orientieren, während die andere Person das Kind von hinten gut im Blick hat – gerade bei den ersten Fahrten mit deinem Kind ist eine zweite Begleitperson eine wertvolle Unterstützung.
- Wenn du mit ihm alleine fährst, kann dein Kind auf bekannten Routen vorausfahren, möglichst dicht von dir gefolgt, damit du alles gut im Auge behältst und rechtzeitig Hinweise zurufen kannst. Auf unbekannten oder verkehrsreichen Abschnitten ist es besser, wenn du vorausfährst.
Wenn du vorhast, mit deinem Kind im Straßenverkehr Rad zu fahren, solltest du eine Route wählen, die möglichst sicher und stressfrei für euch beide ist: Meide große Kreuzungen und verkehrsreiche Straßen und nimm wann immer möglich lieber einen kleinen Umweg über ruhige Straßen und Fahrradwege in Kauf.
Für die erste Ausfahrt mit Kind im Straßenverkehr empfehlen wir eine bekannte und nicht zu lange Strecke, etwa den Weg zur Schule.
Apropos Schulweg: >>Hier findest du Tipps für einen sicheren Schulweg mit dem Fahrrad.
Doch nicht alles ist planbar und auch dein Kind muss lernen, Gefahrenstellen zu erkennen und richtig darauf zu reagieren. Umso wichtiger ist es, dein Kind mit einigen potenziellen Gefahrenquellen vertraut zu machen. Dazu zählen:
- Kreuzungen
Vor dem Einfahren in eine Kreuzung muss sich dein Kind davon überzeugen, dass sie sicher überquert werden kann.
So geht's: Geschwindigkeit reduzieren und so weit in die Kreuzung einfahren, dass der Querverkehr gut gesehen werden kann. Stehenbleiben und den Gegen- und Querverkehr passieren lassen. Pedale schon mal startklar machen. Freie Fahrt? Dann geht's weiter bis zur nächsten Kreuzung.
Vorsicht vor rechtsabbiegenden Fahrzeugen!
Geht niemals davon aus, von den Fahrer*innen gesehen zu werden. Anzeichen für ein Rechtsabbiegen sind ein gesetzter Blinker oder eine Geschwindigkeitsreduzierung des Fahrzeugs. Im Zweifelsfall immer lieber auf den Vorrang verzichten und stehen bleiben.
- Ein- und Ausfahrten
Ein- und Ausfahrten sind gerade für Kinder wegen ihrer geringeren Körpergröße schlecht einsehbar.
Daher gilt: Rechtzeitig Geschwindigkeit reduzieren und mit Blick nach rechts und links kontrollieren, ob jemand ein- oder ausfahren möchte. Falls ja, Blickkontakt suchen und gegebenenfalls stehen bleiben. Ist alles frei, kann dein Kind die Fahrt fortsetzen.
- Parkende Autos
Sich plötzlich öffnenden Autotüren sind eine große Gefahr beim Radfahren. Achte daher darauf, dass dein Kind, wenn möglich, einen Abstand von mindestens einem Meter zu geparkten Autos hält.
Bitte keine Parklücken ausfahren!
Kinder erscheinen dann plötzlich wieder auf der Fahrbahn, oft ohne sich vergewissert zu haben, ob sich ein Fahrzeug von hinten nähert. Übe daher mit deinem Kind, eine möglichst gerade Linie zu fahren.
- Gehsteigrand
Wenn dein Kind zu knapp am Gehsteigrand fährt, kann es passieren, dass das Pedal mit der Gehsteigkante kollidiert. Achte daher darauf, dass es einen Abstand von rund einem Meter einhält.
- Toter Winkel
Jedes Fahrzeug hat einen toten Winkel, also einen Bereich, den die Fahrer*innen nicht einsehen können. Je größer das Fahrzeug, desto größer ist auch der tote Winkel.
So schützt du dein Kind: Ausreichend Abstand zum Fahrzeug halten. An einer Kreuzung oder Ampel auf keinen Fall rechts neben oder direkt vor dem Fahrzeug stehen bleiben, sondern dahinter mit genügend Abstand warten.
- Straßenbahnschienen
Vermeide mit Kind generell Strecken, auf denen wenig Abstand zwischen Gehsteig bzw. parkenden Autos und Straßenbahnschienen zur Verfügung steht. Auch das Queren von Straßenbahnschienen will geübt sein: Am sichersten klappt das Überqueren in einem nicht zu spitzen Winkel zwischen 45 und 90 Grad.
Neben dem sicheren Umgang mit dem Fahrrad erfordert das Fahrradfahren im Straßenverkehr einige Fertigkeiten, die bei Kindern erst über die Jahre und mit den Erfahrungen heranreifen. Überschätze dein Kind daher nicht und bedenke immer, dass es je nach Alter und Entwicklungsstadium seine Umgebung anders wahrnimmt und auf andere Dinge achtet als Erwachsene:
- Kein ausreichender Überblick
Da Kinder kleiner sind und tiefer sitzen als Erwachsene, können sie viele Situationen im Straßenverkehr noch nicht überblicken. Es gibt für sie schlicht mehr Sichthindernisse. - Kinder sehen und hören anders
Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten erst mit neun Jahren richtig einschätzen. Außerdem haben Kinder eher einen Tunnelblick – ihr Blickfeld ist bis zum Alter von 12 Jahren eingeengt. Aus diesem Grund sieht dein Kind ein großes Auto näher als ein kleines, und ein von der Seite kommendes Fahrzeug viel schlechter als du.
Außerdem sind Kinder frühestens im Alter von sieben Jahren in der Lage, Geräusche zu unterscheiden und möglichen Gefahrenquellen zuzuordnen. Davor empfindet dein Kind zum Beispiel ein lautes Auto schneller als ein leises.
- Leicht ablenkbar
Ab etwa sechs Jahren können Kinder ihre Aufmerksamkeit bewusst steuern, lassen sich jedoch noch leicht ablenken, zum Beispiel von einem vorbeispazierenden Hund.
Mit rund acht Jahren kann dein Kind schon länger bei einer Sache bleiben – ihr könnt nun zum Beispiel den Weg zur Schule gemeinsam mit dem Rad fahren. - Logisches Denken
Bis zu einem Alter von rund sieben Jahren haben Kinder eine egozentrische Sichtweise – sieht ein Kind zum Beispiel ein Auto, geht es davon aus, dass es ebenso gesehen werden muss. - Reaktionszeit
Fünfjährige haben eine rund doppelt so lange Reaktionszeit wie Erwachsene. Erst in der Pubertät gleicht sie sich zunehmend an die von Erwachsenen an. - Gefahrenbewusstsein
Kinder treffen noch keine rationalen Entscheidungen. Sie würden zum Beispiel den kurzen dem sicheren Weg vorziehen. Ab rund fünf Jahren entwickelt sich ein generelles Bewusstsein für Gefahren, doch erst ein paar Jahre später ist dein Kind wirklich in der Lage, Gefahren vorausschauend zu erkennen. Doch selbst dann dauert es noch lange Zeit, bis es gefährliche Situationen vermeiden und richtig darauf reagieren kann.