Unternehmen

woom bikes aus Polen für ganz Europa

Sarah Schwarz
Sarah Schwarz

Im Jänner 2021 haben wir unsere Assembly Line im polnischen Świebodzin offiziell in Betrieb genommen. Die Fertigung in Polen bedeutet für uns einen wichtigen Schritt in Richtung unseres großen Zieles: woom bikes für europäische Absatzmärkte in Europa herzustellen.  


Im Werk des deutschen Unternehmens SPRICK CYCLE GmbH im Westen von Polen laufen seit Anfang des Jahres woom ORIGINAL bikes – das sind unsere klassischen Fahrräder woom 1 bis 6 – vom Band. SPRICK, ein familiengeführtes Unternehmen mit langer Tradition im Fahrradbau, stellt uns in dem Werk in Świebodzin eigene Lager- und Fertigungshallen zur Verfügung. Seit Ende Februar betreiben wir dort zwei Fertigungsstraßen mit hoch-automatisierten Einspeichmaschinen. Bis Ende 2021 sollen bereits 115.000 ORIGINAL bikes vom Band rollen. Daneben laufen die Vorbereitungen für die Endfertigung der woom OFF bikes – unserer Mountainbike-Serie – auf Hochtouren. 


Saisonabhängig sind derzeit rund 300 Mitarbeiter:innen, davon 80 Mitarbeiter:innen nur für woom, im Werk beschäftigt. Und die Kapazitäten sollen kontinuierlich ausgebaut werden. „Perspektivisch setzen wir beim Bau der Aluminiumrahmen auf High-Tech Automatisierung, wie man sie aus der Karosseriefertigung im Automobilbau kennt”, erklärt woom Geschäftsführer Guido Dohm und ergänzt: „So können sich die Mitarbeiter:innen ganz auf jene Montagetätigkeiten konzentrieren, für welche die menschliche Feinmotorik unschlagbar ist und die körperlich weniger anstrengend sind.” 


Welche Vorteile bringt die Fertigung in Polen?

Die Fertigung in Europa bringt für uns eine Reihe von Vorteilen

  • Die Entwicklung eines Fahrrades ist ein komplexer Prozess, der viel Handarbeit erfordert. Die Nähe zum Firmensitz in Österreich vereinfacht es uns, mit den Herstellern direkt und persönlich in Kontakt zu treten – sei es für fachliche, technische Abstimmungen, die Qualitätssicherung, Methodentraining oder die Produktionsplanung und -steuerung. 
  • Außerdem können wir durch die Nähe des Fertigungsbetriebes zu unseren Hauptmärkten kurze Transportwege garantieren und somit in Zukunft deutlich kürzere Lieferzeiten einhalten. 
  • Und das tut auch der Umwelt gut: Kurze Transportwege bedeuten weniger CO2-Emissionen. 
„Wir freuen uns, dass sich durch die fortschreitende Automatisierung nun auch Produktionsoptionen für die Bike-Herstellung und Montage in Europa ergeben."
Guido Dohm, woom Geschäftsführer

Auch durch die rückläufige Entwicklung bei den Zulieferern der Automobil- und Luftfahrtindustrie, eröffnen sich neue Möglichkeiten: Komponenten, die von der gesamten Bike-Industrie bis dato fast ausschließlich von Spezialisten aus Asien bezogen wurden, könnten bald mit Zulieferern in Europa entwickelt und produziert werden, hofft Dohm: Statt die Komponenten 30 Tage auf See von Asien nach Europa zu verschiffen, würden diese Komponenten in Zukunft binnen weniger Tage innerhalb der EU per Lkw an die Fertigungslinien gebracht werden. „Da sehen wir eine Riesenchance für woom”, sagt Dohm: „Das spart Zeit und ist erneut gut für die Umwelt.“ 


Freilich ist die Suche nach neuen Standorten  nicht immer leicht, denn neben wirtschaftlichen Aspekten sind viele weitere Kriterien ausschlaggebend. Dazu zählen insbesondere das Qualitätsbewusstsein, die eingesetzten Technologien, die verfügbaren Kapazitäten und Wachstumsmöglichkeiten des Partnerbetriebes. Es gehört aber auch ein wenig Glück dazu, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. So wie in unserem Fall...


Wie sich die Zusammenarbeit ergab

Der erste Kontakt mit der SPRICK CYCLE GmbH ergab sich bei einem Lieferanten Treffen im Jahr 2019; erste Gespräche wurden am Rande der EUROBIKE geführt. Das Interesse an einer Zusammenarbeit war auf beiden Seiten groß. Aus Kapazitätsgründen konnte uns die Firma zum damaligen Zeitpunkt „nur“ die Endfertigung unserer Mountainbike-Modelle woom OFF und woom OFF AIR anbieten. Im Jahr 2020 einigten wir uns mit SPRICK dann über die Zusammenarbeit in der heutigen Form.


Europa rückt in den Fokus

Die Wichtigkeit, Produktionsstandorte in Europa zu haben, zeigte sich nicht zuletzt während der Coronakrise: Produktionsstätten in Asien wurden aufgrund des Lockdowns teilweise heruntergefahren und Transportwege wurden unverlässlicher. Bis heute kommt es zu Lieferengpässen bei gängigen Komponenten mit negativen Auswirkungen auf die gesamte Produktion, was sich für Kund:innen dann häufig in langen Wartezeiten niederschlägt. Lieferzeiten für einzelnen Komponenten verlängert sich extrem – zum Teil sogar von 90 Tagen auf 600 Tage.

„Der asiatische Raum wird weiterhin eine wichtige Rolle in der weltweiten Fahrradproduktion spielen”, ist Dohm überzeugt: „Wir sind ja auch in Nordamerika sehr stark. Die Belieferung dieser Märkte aus europäischer Fertigung würde wenig Sinn ergeben.” Ebenso haben wir großes Absatzpotenzial und steigende Nachfrage in Asien. Für die Märkte in Asien und den USA werden wir daher weiterhin die asiatischen Produktionsstandorte ausbauen. Für die europäischen Absatzmärkte ist die Produktion in Europa jedoch zielführender. Kurzfristig – schätzt Dohm – wird ein Drittel der gesamten woom Jahresproduktion europäischen Ursprungs sein.