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Unternehmen

„Maulwürfe in Schach halten“ Interview mit Ulrike, Chefin der Supply Chain bei woom

Ein woom bike besteht aus rund 70 Komponenten. Dass sie rechtzeitig ins Werk und die fertigen Räder rechtzeitig zu unseren Kund*innen kommen, ist Ulrike Katschnigs Verantwortung. Im Interview erzählt die Mutter zweier Kinder von ihrer Karriere bei woom, den Herausforderungen einer internationalen Lieferkette und davon, was die Supply Chain mit Plastik-Nagetieren zu tun hat.

Felix Schifflhuber ,
12.2.2023

Wie viele Lieferant*innen koordiniert dein Team, damit aus einzelnen Komponenten ein Kinderrad wird?

Wir bestellen das fertige Rad bei Assemblern. Das sind Werke, in denen Produkte zusammengebaut werden. Diese Assembler bestellen die Komponenten, die sie für die Herstellung brauchen, wiederum bei anderen Unternehmen.

Pro Fahrrad ergibt das in Summe rund 40 beteiligte Lieferant*innen.

Damit die Komponenten nach unseren technischen Vorgaben und Qualitätsstandards gefertigt werden, lassen wir Werkzeuge – sogenannte Molds –  produzieren. Das sind im Prinzip Formen für die Komponenten.


So ähnlich wie beim Weihnachtskekse-Backen?

Genau. Nehmen wir unsere woom Ergogrips als Beispiel:

Der Griff wird mit einem Zwei-Komponenten-Spritzgussverfahren hergestellt. Die ergonomische Form und das besondere woom Design erzielen wir dabei durch die Verwendung eines speziell gefertigten Werkzeugs.

Damit stellen wir sicher, dass die woom Ergogrips perfekt an die Hände von Kindern angepasst sind.


90 Prozent der Komponenten sind von woom selbst entwickelt. Ist dieser hohe Anteil an Eigenentwicklungen für die Supply Chain ein Vor- oder Nachteil?

Sowohl als auch. Wir können mit unserem Design und unseren Werkzeugen mehr oder weniger an einen beliebigen Produktionsstandort gehen. Das ist ein Riesenvorteil. Wir sind dadurch viel flexibler, als wenn wir ein fixfertiges 0815-Produkt nehmen würden.

Auf der anderen Seite sind wir davon abhängig, dass bei unseren Partner*innen alles reibungslos funktioniert. Das hat uns die Covid-19-Pandemie gezeigt, weshalb wir unsere Lehren daraus gezogen und uns besser aufgestellt haben.

Etwa, indem wir die gleichen Komponenten jetzt an mehreren Standorten produzieren lassen. Es hilft auch, dass unsere Räder nun zusätzlich in Europa assembliert werden.


In welchen Ländern lässt woom momentan produzieren?


Wir haben sechs Partnerfabriken, in denen woom bikes assembliert werden. Vier davon befinden sich in Asien, zwei sind in Polen.

Aus Polen kommen seit 2021 unsere woom ORIGINAL und woom OFF Modelle. Das woom UP wird bereits seit 2020 für den gesamten internationalen Markt in Polen hergestellt.

Viele der einzelnen Komponenten stammen derzeit aus Taiwan, China oder Vietnam, wo sich die weltweite Fahrradproduktion konzentriert. Dort gibt es die notwendigen Technologien sowie Menschen mit dem entsprechenden Know-how, um zum Beispiel Aluminium schweißen zu können.

Wir haben jedoch begonnen, Komponenten vermehrt in Europa produzieren zu lassen. Damit wollen wir die Produktion näher an die Märkte bringen und Transportwege verkürzen.


Welche Komponenten kommen bereits aus Europa?

Wir beziehen momentan Griffe, Tretlager, Seitenständer und E-Bike-Antriebssysteme von europäischen Hersteller*innen. Zukünftig werden auch Sättel in Europa produziert werden.


Reisen dein Team und du oft zu den Produktionsstandorten?


Wir sind im permanenten Austausch mit unseren bestehenden Lieferant*innen. Dazu gehören auch regelmäßige Betriebsbesuche. Aufgrund der Pandemie war es uns aber in den letzten beiden Jahren nur erschwert bis gar nicht möglich, die Produktionsstätten zu besichtigen. Wir haben versucht, dies durch Videocalls und unsere Mitarbeiter*innen vor Ort auszugleichen. 

Apropos Mitarbeiter*innen vor Ort:

Wir haben ein 15-köpfiges Team, das für die Qualitätskontrolle zuständig ist. Und darunter sind auch Mitarbeiter*innen direkt an den Produktionsstandorten, die dort auf die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und unserer hohen Qualitätsansprüche achten.

Bei der Auswahl neuer Lieferant*innen steht ebenfalls immer eine Reise auf dem Programm.

Um die Produktionsbedingungen beurteilen zu können und herauszufinden, ob ein Werk unsere Designs in der richtigen Qualität und unter den notwendigen Voraussetzungen umsetzen kann, müssen wir es mit eigenen Augen gesehen haben.


Wie stellt woom faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette sicher?

Unsere Lieferant*innen müssen einen Verhaltenskodex unterschreiben. Damit verpflichten sie sich, die arbeitsrechtlichen Bestimmungen einzuhalten und ihre Mitarbeiter*innen fair und gerecht zu behandeln.

Außerdem statten wir unseren Lieferant*innen – wie bereits erwähnt – regelmäßig einen Besuch ab und haben eigene Mitarbeiter*innen in den Werken. Dadurch sehen wir mit eigenen Augen, ob der Verhaltenskodex eingehalten wird.

Ab 2023 organisiert unser Nachhaltigkeitsteam auch zusätzliche Sozialaudits.

Das sind standardisierte Überprüfungen, mit denen etwaige Menschenrechtsproblematiken aufgedeckt werden können. Damit wollen wir verantwortungsbewusstes Handeln in der gesamten Supply Chain fördern.


Wie nachhaltig werden woom bikes produziert?

Ganz allgemein fängt beim Thema Nachhaltigkeit natürlich alles beim Produkt an: Wir stellen leichte und hochqualitative Kinderräder her, was aus zwei Gründen vorteilhaft ist:

Erstens verwenden wir weniger Materialien als in der Produktion von handelsüblichen Kinderrädern. Und zweitens landen woom bikes nach einem Jahr nicht sofort auf dem Müll, sondern können jahrelang wiederverwendet werden.

Produktion und Lieferung sind bei einem international tätigen Unternehmen wie woom aber klarerweise mit Fragen zu Klimawandel, Ressourcenverknappung, Müllentsorgung und Verschmutzung verbunden.

Unser erklärtes Ziel ist es, diese Auswirkungen auf die Umwelt so weit wie möglich zu neutralisieren. Für die Zukunft haben wir eine starke Vision in Bezug auf eine nachhaltige Supply Chain.

Noch dieses Jahr werden wir gemeinsam mit unseren Lieferant*innen nach Lösungen suchen, wie wir unseren CO2-Fußabdruck reduzieren können. Außerdem arbeiten wir daran, die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen, um ständige Verbesserungen möglich zu machen.


Ist dein Team auf Lieferengpässe wie während der Covid-19-Pandemie vorbereitet?

Während der Pandemie haben wir unsere Lieferkette stark diversifiziert und uns mehrere Lieferant*innen für die gleiche Komponente gesucht. Dank dieses Multisourcings können wir aus meiner Sicht optimistisch in die Zukunft blicken.

Außerdem kennen wir alle Komponentenhersteller*innen mittlerweile sehr gut. Dadurch ist es wesentlich leichter geworden, auf etwaige Engpässe zu reagieren, als noch vor einigen Jahren.

Aber wenn uns die Covid-19-Pandemie etwas gelehrt hat, dann das:

Die Supply Chain ist ein bisschen so wie das Spiel Whac-A-Mole. Du haust mit einem Hammer auf einen Plastik-Maulwurf, aber im nächsten Augenblick taucht ein anderer Maulwurf aus einem anderen Loch wieder auf.

Mit anderen Worten: Kaum hatten wir ein Problem gelöst, standen wir vor dem nächsten. (lacht)


Welche Pläne und Visionen hast du für die Supply Chain von woom?

Zum einen möchte ich in Bezug auf unsere Lieferkette transparenter, flexibler und diverser werden. Zum anderen ist das Nearshoring ein Thema – also die Produktion näher bei den Kund*innen anzusiedeln.


Du bist seit fast fünf Jahren bei woom. Wie hat deine Karriere hier begonnen?

Die woom Gründer Marcus und Christian haben 2018 jemanden für den Einkauf gesucht. Zu diesem Zeitpunkt haben sie ihn noch nebenbei mitgemacht, was wegen des schnellen Wachstums aber nicht mehr länger gegangen ist.

In der Küche unseres alten Büros haben sie mir dann den Job angeboten. Und ich habe Ja gesagt.

Damals war ich praktisch alleine für den Einkauf verantwortlich. Zusätzlich gab es nur meine Kollegin Tanja, die sich um den Transport gekümmert hat. Heute hat das Supply-Chain-Team 16 Leute.


Welche Eigenschaften braucht man als Director of Supply Chain eines globalen Unternehmens?

Humor. (lacht) Ich glaube, dass ich es schaffe, in fast allen Situationen meinen Humor zu behalten. Zweitens muss ich bereit sein, mit Herausforderungen zu wachsen und mich ihnen zu stellen.

In der Supply Chain sollte ich außerdem viele Bälle gleichzeitig in der Höhe halten können. Ich muss multitaskingfähig sein.

Zuletzt darf ich mich nicht scheuen, eine Entscheidung zu treffen. Wenn ich zu lange überlege, kann es schon zu spät sein.


Vom Start-up zum Marktführer: Was macht woom so besonders?

Meiner Meinung nach drei Dinge: Unsere Kinderräder sind einzigartig, die Geschichte dahinter ist inspirierend und unsere beiden Gründer sind faszinierende Persönlichkeiten.

Wer Marcus und Christian reden gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Sie sind so überzeugt von ihrer Idee, Millionen von Kindern die Liebe zum Radfahren näherzubringen, dass der Funke einfach überspringt.

Was mir außerdem gefällt, ist unser Zukunftsdenken.

Wir blicken nicht zurück und machen uns Gedanken darüber, was wir letztes Jahr falsch gemacht haben. Sondern wir lernen aus unseren Fehlern und Rückschlägen und sagen uns: „Weiter geht’s! Besser machen!“


Was schätzt du an deinem Team?

Alle haben Eigenverantwortung und sind sich dessen bewusst, was wir gemeinsam erreichen wollen. Ich kann mich hundertprozentig auf mein Team verlassen. Und mein Team auf mich.


Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben?

Hart, aber herzlich. (lacht) Genauso wie ich 100 Prozent gebe, verlange ich von meinem Team 100 Prozent. Gegenseitiges Vertrauen ist dabei extrem wichtig. Und der Spaß darf natürlich nie zu kurz kommen!


Du bist Mutter zweier Kinder – wie gelingt dir der Spagat zwischen Beruf und Privatleben?

Ich kann immer auf die Unterstützung meiner Familie zählen – vor allem auf die meines Mannes und meiner Mutter. Außerdem habe ich das Glück, zwei gesunde und brave Kinder zu haben. „Brav“ unter Anführungszeichen. (lacht) Und dann ist da noch unsere Leihoma und viele Freundinnen und Freunde.


Was ist eine Leihoma?

Eine Leihoma ist eine Babysitterin im Oma-Alter. Ich bin durch Zufall auf diese großartige Dame gekommen, als mein erstes Kind noch sehr klein war. Mittlerweile gehört sie zur Familie.


Wie gehst du als Führungskraft mit Eltern in deinem Team um?

In meinem Team nehmen wir auf Kinderbetreuungszeiten große Rücksicht. Wenn Eltern sagen, dass sie zum Beispiel am Dienstagnachmittag nicht arbeiten können, weil sie auf ihr Kind aufpassen, dann geht das natürlich in Ordnung.

Zudem ist Homeoffice jederzeit möglich.

Diese Rücksichtnahme und Work-Life-Balance gibt es aber nicht nur in meinem Team. Das zieht sich durch das ganze Unternehmen: woom bietet viele Möglichkeiten in Bezug auf die Kinderbetreuung.


Was bedeutet Radfahren für dich?

Radfahren gibt mir einfach ein super Gefühl. Vor den Kindern bin ich hobbymäßig Rennrad gefahren. Mit ihnen bin ich dann auf ein Citybike und gemütliches Radfahren umgesattelt. Seit kurzem besitze ich außerdem ein Spinning-Bike, das ich aber im Moment vor allem abstaube. (lacht)

Blitzfragerunde:

Mein Arbeitsplatz ist …

… dort, wo ich gerne bin

Auf eine einsame Insel nehme ich mit …

… meine Familie

Ein magischer Moment in meinem Leben war …

… die Geburt meiner Kinder

Mein Soul-Food ist …

… Steak und danach Schokolade

Richtig entspannen kann ich …

… wenn ich nichts um mich herum höre und sehe

Mich inspirieren …

… Leute, die ihre Träume realisieren

Mein Lebensmotto ist …

… Kopf aufrichten und weiter

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