Gesundheit

So stärkst du deinem Kind den Rücken

Sarah Schwarz
Sarah Schwarz

Beim Radfahren geht's Kindern um Spiel und Spaß. Dabei ist Fahrradfahren auch richtig gesund und ein tolles Ganzkörpertraining. Ganz beiläufig und spielerisch trainieren Kinder ihre Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und nicht zuletzt ihren Rücken.

Was verträgt der Kinderrücken?

Vorweg noch ein paar Fakten zur Wirbelsäule: Dieses knöcherne Rückgrat hält dein Kind aufrecht und stützt seinen gesamten Körper. Dabei ist die Wirbelsäule aber kein starres, sondern ein bewegliches Gebilde, das aus vielen einzelnen Wirbelkörpern und flexiblen Bandscheiben besteht. Zahlreiche Bänder und mehr als 140 Muskeln sorgen dafür, dass die Wirbelsäule in Form gehalten wird. Und diese Muskulatur sollte schon früh gestärkt werden, damit sie stets gut mit Sauerstoff versorgt i, gespannt bleibt und nicht in Schieflage gerät.

Der kindliche Rücken befindet sich in ständigem Wachstum: Die Muskulatur und Knochen sind im Kinder- und Jugendalter noch nicht vollständig entwickelt. Wegen der geringen Kalkablagerungen ist der kindliche Knochenbau zwar noch elastischer, aber dafür auch weniger druck- und biegefest. Aus diesem Grund ist der Stützapparat (Knochen, Gelenke, Bänder, Bandscheiben) deutlich weniger belastbar als bei uns Erwachsenen. Dennoch bedeutet das nicht, dass du dein Kind in Watte packen musst – im Gegenteil! Die Kräftigung des Halte- und Bewegungsapparates ist extrem wichtig, um Rückenschmerzen im Kindesalter vorzubeugen. Durch einen aktiven Alltag und regelmäßige körperliche Betätigung im Kindesalter, kannst die Entwicklung, speziell den Knochen- und Muskelaufbau, deines Kindes optimal unterstützen.

 

Welche Ursachen haben Rückenschmerzen bei Kindern?

Kleinkinder sind bewegungshungrig und lassen keine Gelegenheit aus, um herumzutollen und zu toben. Mit dem Eintritt in die Schule verändern sich nicht nur die Interessen der Kinder, sondern häufig auch das Bewegungsverhalten. Statt draußen zu spielen und die Welt zu entdecken, bestimmen nun immer mehr sitzende Tätigkeiten den Tagesablauf: am Vormittag in der Schule, am Nachmittag bei den Hausaufgaben. Außerdem werden in diesem Alter Tablet und Co zunehmend spannender. Diese Phase, in der Kinder vom aktiven „Spielkind" zum „Sitzkind" werden, wird als Phase des Gestaltwandels bezeichnet und findet vom 6./7. bis zum 12./13. Lebensjahr statt.

Doch warum ist stundenlanges Sitzen so ungesund für den Rücken?
Beim Sitzen wird Wirbelsäule meist sehr einseitig belastet. Die untrainierte Haltemuskulatur (Nacken-, Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur) schrumpft und kann ihre stabilisierende Aufgabe nicht mehr erfüllen. Das Risiko für Verletzungen, Fehlhaltungen und Rückenschmerzen wächst.
Umso wichtiger ist es, das viele Sitzen durch ausreichend Bewegung in der Freizeit zu kompensieren, damit das System Wirbelsäule lange, idealerweise ein Leben lang, leistungsfähig bleibt. Die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet, dass Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten eine mäßig bis anstrengende Aktivität ausüben sollten, um die Muskeln, Beweglichkeit und Knochen zu stärken. Das ist eigentlich nichts Neues, dennoch belegen zahlreiche Untersuchungen, dass sich Kinder heute immer weniger bewegen. Nach möglichen Ursachen muss nicht lange gesucht werden: 

  • Die zunehmende Digitalisierung führt zu mehr Bildschirm-Zeit, also extra Sitzzeit. 
  • Durch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel werden bereits kurze Alltagsstrecken bequem im Sitzen zurückgelegt. 
  • Während früher eine viertel Stunde Fußweg zur Schule oder ein paar Kilometer mit dem Rad zum Sportverein selbstverständlich in den Alltag integriert wurden, ersetzen heute immer öfters Elterntaxi das Zu-Fuß-Gehen und Radfahren. Mehr zum Thema sicherer Schulweg mit dem Rad erfährst du hier.

 

Kann Radfahren Abhilfe schaffen?

Soviel vorweg: Ja, Radfahren kann einen gesunden Kinderrücken fördern und frühen Haltungsschäden vorbeugen. Dabei solltest du allerdings ein paar grundlegende Dinge beachten: 

  • Die wichtigste Voraussetzung, damit sich dein Kind wohl auf dem Rad fühlt, ist ein kindgerechtes Fahrrad. Neben Größe und Gewicht solltest du auf möglichst viele ergonomische Komponenten achten. Welche Anforderungen ein Kinderrad genau erfüllen sollte, kannst du im Detail hier nachlesen.
  • Sorge dafür, dass dein Kind eine natürliche Haltung einnehmen kann. Optimal für den Rücken ist ein leicht nach vorne geneigter Oberkörper, um die im Wachstum befindliche Wirbelsäule optimal zu entlasten. In dieser Position können auch Stöße und Schläge auf holprigem Untergrund gut abgefedert werden – also ein Schonprogramm für die Bandscheiben.
    Die Haltung ist definitiv falsch, wenn die Arme durchgestreckt sind oder das Becken nach hinten kippt und euer Kind in einen Rundrücken fällt. Damit dein Kind eine gesunde Sitzposition einnehmen kann, solltest du das Fahrrad perfekt an dein Kind anpassen. Wie dabei am besten vorgehst, siehst du in diesem Video
  • Die Dosis macht das Gift. Ein aktiver Alltag bedeutet nicht, dass dein Kind jeden Tag einen neuen Gipfel stürmen und Streckenrekorde aufstellen muss. Einseitige Belastung oder übertriebener Leistungssport können langfristig genauso schädlich für die Heranwachsenden sein wie stundenlanges Sitzen. Das Wichtigste ist, dass dein Kind Spaß beim Radfahren hat. Also wähle stets eine Strecke aus, die zum Alter und Fahrkönnen deines Kindes passt und es nicht überfordert.


„Was benutzt wird, entwickelt sich. Was ungenutzt bleibt, verkümmert.“
– das schrieb schon Hippokrates von Kós. In diesem Sinne empfehlen sich für im Wachstum befindliche Kinder moderate sportliche Aktivitäten, bei denen möglichst viele verschiedene Muskelgruppen beansprucht werden. Genau das ist beim Radfahren der Fall:

  • Alle großen Muskelgruppen des Körpers (Rücken-, Brust- und Bauchmuskulatur sowie Gesäß- und Beinmuskulatur) werden trainiert. Auch wenn es nicht so aussieht, arbeitet die Rumpfmuskulatur ständig aktiv mit, um den Oberkörper zu stabilisieren.
  • Selbst die kleinen Muskelgruppen, beispielsweise die Stützmuskeln um die einzelnen Wirbel herum, werden gezielt angesprochen. Denn die asymmetrische, also diagonale, Tretbewegung dehnt und kontrahiert diese kleinen Muskeln. Übrigens, ist es nicht möglich, diese Muskeln bewusst zu aktivieren; sie können eben nur durch Bewegung trainiert werden. Voraussetzung dafür ist, wie oben beschrieben, eine leicht nach vorne geneigte Haltung.
  • Die zyklischen, also immer wiederkehrenden, Beinbewegungen können zudem bei bereits vorhandenen Rückenleiden helfen.


Achja, Dehnen nicht vergessen! Da sich die kindliche Muskulatur noch im Wachstum befindet, ist es wichtig, die Muskeln nach dem Radspaß ein wenig zu dehnen. So beugt ihr einseitig verkürzten Muskeln vor.

Tip:

Die digitale Konkurrenz ist groß und macht es uns Eltern oft schwer, unsere Kinder für Bewegung an der frischen Luft zu begeistern. Hier sind ein paar kleine Motivationstricks:

  • Unternehmt einen Radausflug mit anderen Familien. Denn gemeinsam mit den Freund*innen macht Bewegung im Freien am allermeisten Spaß. 
  • Spielerische Übungen und Parcours verbessern nicht nur die Fahrtechnik, sondern machen auch Spaß und festigen das Selbstvertrauen und Sicherheit.
  • Ideal ist auch ein Radverein. Dort wird dein Kind unter sachkundiger Anleitung und gemeinsam mit anderen Kids ganz spielerisch zum Trainieren motiviert und der Sport wird schnell zur Routine. Ein Radverein hat jedoch noch viel mehr Vorteile, wie du hier nachlesen kannst.