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woom Geschäftsführer Guido Dohm im Interview: „Ein Job mit Sinn macht zufriedener.“

Sarah Schwarz
Sarah Schwarz

Seit Juli 2020 hat woom mit Guido Dohm einen dritten Geschäftsführer. Der Diplom-Ingenieur blickt auf langjährige Erfahrung als Geschäftsführer und Vorstand in der Textil- und Bekleidungsindustrie zurück. In den letzten Jahren hat er sich intensiv für internationale CSR-Standards eingesetzt und die globale Beschaffungslogistik digitalisiert. 


Im Interview haben wir ihn gefragt, was ein gesundes und motivierendes Arbeitsumfeld ausmacht und was ihn an dem Kinderfahrrad-Unternehmen begeistert. Außerdem verrät uns der vierfache Familienvater seine Zukunftspläne für woom.

 

woom wurde 2013 gegründet und ist somit noch ein relativ junges Unternehmen – was fasziniert dich an woom und den Produkten?

Vor einigen Jahren war ich auf der Suche nach passenden Fahrrädern für meine Kinder, weil ich gemerkt habe, dass sie mit ihren Rädern irgendwie nicht so gut zurechtkommen. Die konsequent leichte und bis ins letzte Detail durchdachte Bauweise der woom bikes haben mich sofort überzeugt. Ich finde es beeindruckend, dass woom über 90 % der Komponenten speziell für Kinder selbst entwickelt. Schon allein in die Griffe zum Beispiel fließt eine enorme Entwicklungsarbeit: Der Zweikomponenten-Kunststoff sorgt für einen optimalen Grip und der extra große Außendurchmesser reduziert das Verletzungsrisiko. Zudem sind die Griffe schnell demontierbar, was das Reinigen nach dem Eisschlecken erleichtert. ;)

 

Hast du den Erfolgsweg von woom schon länger mitverfolgt?

Ja, da unsere beiden jüngsten Kinder mit acht und zwölf Jahren genau in die Zielgruppe fallen, hatte ich woom schon länger auf dem Radar.

 

Unternehmenskultur bei woom ist „seriously casual“


Du bist jetzt seit knapp einem Jahr im Unternehmen. Wie würdest du die Unternehmenskultur bei woom beschreiben?

Ich habe in inhabergeführten, in managementgeführten Unternehmen und in börsennotierten Unternehmen gearbeitet. Wenn ich meine Erfahrungen mit jenen bei woom vergleiche, empfinde ich die woom Kultur als sehr informell und entspannt. „Seriously casual“ würde ich das nennen – zu Deutsch: Wir sind unkompliziert und entspannt im Umgang, doch was wir tun, tun wir mit aller Ernsthaftigkeit.

 

Was sind deiner Meinung nach die Vorteile eines Arbeitsplatzes bei woom? 

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mehr Spaß macht, in einem wachstumsorientierten, erfolgreichen Unternehmen zu arbeiten als in einer krisengebeutelten Firma, in der Einsparungsprogramme die Tagesordnung bestimmen. Es ist doch ein beruhigendes Gefühl, dass die Arbeitsplätze aufgrund der Umsatzentwicklung gesichert sind. Zudem ergeben sich in einem wachsenden Unternehmen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für High Potentials, die die notwendigen Kompetenzen haben und ein Dringlichkeitsbewusstsein zeigen. Gibt man ihnen den Raum, ihre Talente zu entfalten, können sie zu Best Performern werden. Bei woom können wir individuelle Spielräume ermöglichen, die in formellen Unternehmenskulturen so nicht immer üblich sind.  

 

Welche Eigenschaften bei Mitarbeitenden hältst du für besonders wertvoll? 

Ich schätze es, wenn Kolleginnen und Kollegen ein Dringlichkeitsbewusstsein, einen sogenannten „Sense of Urgency“, besitzen, zuhören können, eigenständig Verantwortung übernehmen, Lösungen schaffen und einen hohen Grad an Verbindlichkeit leben. Als Führungskraft sollte man sich nicht im Mikromanagement verwickeln, sondern Aufgaben an verantwortliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter delegieren und ihnen alle Freiheiten geben, um die Aufgaben auszuführen.

 

Und worauf kommt es konkret an, wenn Bewerberinnen und Bewerber einen Arbeitsplatz bei woom anstreben? 

Wie in jedem anderen Unternehmen, geht es darum, dass die eigenen Fähigkeiten möglichst gut zur ausgeschriebenen Stelle passen. Im Idealfall bringen Bewerberinnen und Bewerber auch schon entsprechende Erfahrung mit. Sie sollten aufzeigen können, welchen Mehrwert sie für woom schaffen können und was die eigene Person von möglichen Mitbewerberinnen und -bewerbern positiv abhebt. Nicht zuletzt sollte die Persönlichkeit zu unserer Unternehmenskultur passen.

 

Wie motiviert man aus deiner langjährigen Erfahrung als Führungspersönlichkeit die Mitarbeitenden? 

Wichtig ist, den Einsatz und die Leistungen anzuerkennen und positiv zu erwähnen. Anerkennung von Erfolgen und ehrliche Wertschätzung kann auf unterschiedliche Art und Weise gezeigt werden, etwa durch Lob, in Form von finanziellen Belohnungen oder auch Arbeitszeitflexibilisierungen. Damit die Anerkennung auch wie beabsichtigt ankommt, muss man als Führungskraft die individuelle Situation, die Bedürfnisse und Sorgen der Mitarbeitenden kennen – manche schätzen eine Beförderung oder Gehaltserhöhung, während andere vielleicht mehr Wert auf Freizeit legen. Und genau darauf sollte man eingehen. So schafft man es, ein Arbeitsumfeld mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzubauen, das Spaß an der Arbeit ermöglicht.

 

Das ist ein gutes Stichwort – denn auch ein gesundes Umfeld ist ganz wichtig. Worauf kommt es deiner Meinung nach an und welche Rolle spielt der Arbeitgeber?

Ich sehe es als unternehmerische Aufgabe, für ein möglichst gesundes Arbeitsumfeld zu sorgen – es sollte sicher, zufriedenstellend, kommunikativ und unterstützend sein. So sorgt man dafür, dass sich die Mitarbeitenden wohlfühlen, gerne zur Arbeit kommen, den ganzen Tag lang motiviert bleiben und produktiv sein können.

Studien belegen, dass die glücklichsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich zu 18 % energiegeladener fühlen als ihre weniger zufriedenen Kolleginnen und Kollegen. Darüber hinaus sind sie zu 155 % glücklicher mit ihrer Anstellung, zu 150 % glücklicher mit ihrem Leben, zu 108 % verpflichteter, zu 50 % motivierter und auch bis zu 50 % produktiver.

 

Und wie kann es Unternehmen nun gelingen, ein zufriedenes Arbeitsumfeld zu schaffen?

Zunächst sollten Führungskräfte versuchen, zwischenmenschliches Vertrauen aufzubauen und den Mitarbeitenden zeigen, dass sie sich um deren Belange kümmern. Das kann sich in Kleinigkeiten äußern, wie Namen zu kennen und über persönliche Ereignisse informiert zu sein. Darüber hinaus ist es wichtig, den Mitarbeitenden zeitnahes Feedback und das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden. Das Team sollte durch transparente Kommunikation und regelmäßige Meetings auf dem Laufenden gehalten und eingebunden werden. Nicht zuletzt können natürlich flexible Arbeitszeitmodelle und die Hardware, also angenehme Büroräume – von einer adäquaten Ausstattung bis zu einer gesunden Raumluft – zur Arbeitsplatzzufriedenheit beitragen. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen, zufriedener und auch produktiver sind.

 

Welche sind für dich die wichtigsten Eigenschaften eines Vorgesetzten?

Vorgesetzte sollten authentisch sein und Vertrauen schenken können. Sie sollten auch nahbar und ansprechbar sein – das funktioniert bei woom sehr gut, weil wir keine Einzelbüros haben, sondern alle gemeinsam im Großraumbüro  arbeiten. Auch in den aktuellen Zeiten bleiben wir dank guter Software- und Hardwareausstattung und regelmäßigen Online-Meetings weiterhin gut in Kontakt, selbst wenn die allermeisten von uns seit Ausbruch der Pandemie den Großteil der Zeit im Homeoffice arbeiten.

 

Hast du deine Führungsprinzipien im Lauf der Zeit geändert?

Ich würde eher sagen, dass ich meine Führungstechniken geändert habe, weil ich über die Jahre viele verschiedene Situationen durchlebt und Erfahrungen gesammelt habe. Das Führungsprinzip ist meiner Meinung nach an das Menschenbild gekoppelt – ich halte es für extrem wichtig, als Vorgesetzter ein grundsätzlich positives Menschenbild zu haben, also positiv auf Mitarbeitende zuzugehen und daran zu glauben, dass sie etwas leisten wollen und können.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Mobilität stark verändern wird.
Guido Dohm, CEO von woom

Radfahren boomt, speziell in den letzten Monaten. Glaubst du, dass sich das Mobilitätsverhalten nachhaltig ändern wird. Wie sieht für dich die Mobilität der Zukunft aus?

Während meiner Tätigkeit bei Jack Wolfskin habe ich viel Zeit mit jungen Menschen verbracht, die am Anfang ihrer Berufsausbildung standen und hineingehört, was sie bewegt. Das war sehr bereichernd und bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass sich die Mobilität stark verändern wird – sie wird weniger mit Besitz, als mit Verfügbarkeit zu tun haben. Junge Menschen wollen kein eigenes Auto besitzen, sondern einfache und verfügbare Lösungen, um von A nach B zu kommen, beispielsweise mittels Carsharing.

 

Wie schätzt du die Auswirkungen auf die Rad-Branche ein, gerade in dieser speziellen Zeit?

Ich glaube, dass wir uns im Bike-Bereich nicht mehr nur mit Fahrrädern per se beschäftigen werden, sondern auch mit Mobilitätslösungen und digitalen Dienstleistungen, die den Spaßfaktor erhöhen und einen nachhaltigen Beitrag leisten.


Kommen wir zu deiner neuen Aufgabe als Geschäftsführer von woom. 


Schon kurz nach deinem Start bei woom im März 2020 trat Corona in Europa auf und der Lockdown wurde verhängt. Wie war für dich der Einstieg in dieser außergewöhnlichen Zeit?

Ich hatte zwei Wochen Zeit, alle Gesichter kennenzulernen und Stallgeruch zu inhalieren. Die offene Unternehmenskultur hat das Homeoffice allerdings sehr leicht gemacht – alle sind offen auf mich zugegangen, wir hatten täglich Videokonferenzen und auch der interne Kommunikationskanal war sehr praktisch. Als ich gemeinsam mit den beiden Gründern und Geschäftsführern wieder im Büro war, nutzten wir das Mehr an Zeit für intensiven Austausch und strategische Planungen. 

 

Wo siehst du woom aktuell stehen und wo in ein paar Jahren? Was sind mit dem Blick nach vorne vielleicht die größten Herausforderungen?

Wir sind in der „2nd Stage“, also in der Wachstumsphase. In dieser Phase wachsen wir weiter mit den bestehenden Kundinnen und Kunden, gewinnen regelmäßig neue Kundinnen und Kunden hinzu, der Cashflow und die Ertragslage verbessern sich. Die größte Herausforderung in dieser Phase ist die Priorisierung einer ganzen Reihe neuer Anforderungen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern: eine wachsende Belegschaft, die weitere Internationalisierung, die Absicherung der Lieferkette mit der Ausweitung der Produktionskapazitäten, die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, die optimale Betreuung der Kundinnen und Kunden und vieles mehr.

Westliche Abnehmerfirmen haben die Pflicht, darauf zu achten, dass Menschenrechte sowie Umwelt- und Sozialstandards in den Produktionsländern eingehalten werden.
Guido Dohm, CEO von woom

Zwei deiner Arbeitsschwerpunkte sind Digitalisierung und Corporate Social Responsibility, also soziale Unternehmensverantwortung. Welche Pläne hast du in Sachen Digitalisierung?

Digitalisierung ist aus meiner Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor. Mein Ziel ist es daher, den Einkauf der Bikes und Komponenten digitaler zu gestalten und auf diese Weise Prozesse zu optimieren. Beispielsweise wollen wir eine intelligente Lieferkette einführen, um Statusinformationen in Echtzeit überprüfen zu können.


Und welche Ziele hast du dir im CSR-Bereich gesteckt?

Beim Thema Corporate Social Responsibility möchte ich meine langjährigen Erfahrungen aus der Textilbranche einbringen. Ich war beruflich sehr viel in asiatischen Ländern unterwegs und habe somit ein ganz anderes Bild kennengelernt als jene, die dort ihren Urlaub verbringen. Ich habe Situationen gesehen, wo die Grausamkeit der Wirklichkeit zuschlägt. Der internationale Handel bedeutet für viele Entwicklungsländer eine Chance, Menschen in Arbeit zu bringen und den Entwicklungsprozess der Länder zu beschleunigen. Westliche Abnehmerfirmen haben die Pflicht, darauf zu achten, dass Menschenrechte sowie Umwelt- und Sozialstandards in den Produktionsländern eingehalten werden. Mit dem Aufkommen von CSR hat sich hier in den letzten 20 Jahren viel getan; speziell in der Textil- und Bekleidungsindustrie wurden Hand in Hand mit den Produktionsbetrieben deutliche Verbesserungen erzielt – denn auch die Produzenten haben verstanden, dass sie sonst am eigenen Ast sägen. Was in der Textilbranche schon längst gang und gäbe ist, ist in der Bike-Branche noch relativ neu. Daher suche ich nach Mitstreitern für ähnliche Initiativen wie in der Bekleidungsbranche, um bestimmte Produktionsstandards zu schaffen.


Hattest du als Kind einen Traumberuf?

Als Kind wollte ich Profimusiker werden. Nachdem ich das zwischen dem 14. und 24. Lebensjahr semiprofessionell im Tonstudio und auf der Bühne betrieben habe, wurde mir klar, dass das kein Traumberuf ist, wenn man davon leben und eine Familie ernähren will.

 

Was hast du dir für die nächsten Jahre vorgenommen?

Gesund zu bleiben, in einer guten Balance zwischen Privat- und Berufsleben zu sein, und hier bei woom dazu beizutragen, dass wir gemeinsam die Erfolgsstory weiterschreiben und das unglaubliche Potenzial, das die Marke hat, auch tatsächlich realisieren. Das ist für mich nicht irgendein Job, das ist für mich eine Berufung, eine Sinn-Aufgabe. 


Vielen Dank für das Gespräch!

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